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Anders und doch irgendwie gleich

NLB-Handball. Der Cup bietet immer eine willkommene Abwechslung zum Meisterschafts-Alltag. Und nach zuletzt fünf Niederlagen in Serie kann der TV Solothurn einen Wechsel mehr als nur gut vertragen. Doch so viel anders wird es nicht werden.


Gaudenz Oetterli


Der Gegner heisst nämlich TV Möhlin, seines Zeichen Konkurrent aus der gleichen Liga. Und das Spiel findet im Fricktal statt, der TV Solothurn geniesst kein Heimrecht. Kein Unterklassiger, gegen den ein Weiterkommen sehr wahrscheinlich ist. Und auch kein Oberklassiger, gegen den man zuhause hätte antreten können und jeweils eine Art Saisonhighlight darstellt. Nein, der TVS muss sogar im Cup den gewohnten Trott gehen.

Wobei es dieses Jahr im Cup sowieso ganz anders läuft, als man sich das eigentlich gewohnt ist. Denn der Handballverband hat es tatsächlich geschafft, mit einem neuen Modus den Charakter des Cups zu zerstören. Zwar rührt der SHV für seinen Modus ordentlich die Werbetrommel und gibt an, dass dies spannender sei. Mit der Realität hat dies aber sehr wenig zu tun.


Keine Handballfeste mehr dank neuem Modus


Im Sechszehntelfinal, die aktuelle Runde, in welcher der TV Solothurn auf Möhlin trifft, werden aus 32 Mannschaften 8 Vierergruppen gebildet. Diese 8 Gruppen spielen an vordefinierten Orten zuerst den Sechszehntelfinal, die beiden Sieger dann tags darauf am gleichen Spielort den Achtelfinal. Das führt zu völlig absurden Konstellationen, dass zum Beispiel der Erstligist TV Appenzell das super Los Pfadi Winterthur gezogen hat, den Schweizer Meister. Aber die Appenzeller werden sich nur mässig darüber freuen können. Denn ihre Vierergruppe wurde nach Luzern gelost. Der TV Appenzell muss also tatsächlich nach Luzern reisen, um im Cup auszuscheiden. Und kann dies noch nicht einmal mit einem Handballfest in der eigenen Halle machen.

Der Cup-Modus ist ein weiteres Beispiel dafür, dass sich die Schreibtischtäter im Handballverband immer mehr von der Basis des Sports entfernen. Einnahmen und Reichweite sind die Maximen, der Breiten- und Leistungssport wird zunehmend geopfert auf dem Altar der sogenannten Professionalität. Denn für die NLA-Vereine – die einzigen, mit ernsthaften Aussichten auf den Cup-Titel – ist es egal, wo sie gewinnen. Sie können am Ende um den Titel spielen. Für NLB und Erstligavereine hingegen war der Cup bisher die Möglichkeit, ein Handballfest zu feiern. Der neue Modus hat diese Handballfeste getötet.


Es muss schlichtweg mehr kommen


Denn wenn zum Beispiel der TV Solothurn morgen gegen Möhlin gewinnen sollte, dann spielt er gleich am Sonntag wieder, und das wiederum in Möhlin, das dann aber selber gar nicht mehr dabei ist und sicherlich null Bock hat, das Nächstrundenspiel für den Sieger zu organisieren. Am Deutlichsten zeigt sich der Griff in die Kloschüssel mit diesem Modus daran, dass bereits zwei Partien Forfait endeten. Sowohl Yverdon wie auch Olten zogen sich zurück, beide hätten als Erstligisten gegen einen NLA-Verein spielen können.

Der TV Solothurn hat sich nicht zurückgezogen, er wird in Möhlin antreten. Immerhin hat der Modus den Vorteil, dass ein Weiterkommen nicht mehr so interessant ist, und die Solothurner somit völlig befreit in die Partie steigen können. Für Trainer Martin Prachar bietet sich in diesem Spiel also die optimale Situation, im Hinblick auf die wichtigen Meisterschaftsspiele bis Weihnachten ein mehrbesseres Trainingsspiel zu Verfügung zu haben.



Die Partie TV Möhlin - TV Solothurn findet statt am 20. November um 18:30 Uhr im Steinli Möhlin. Es gilt eine Zertifikatspflicht. Das Spiel kann im Livestream mitverfolgt werden, der Link ist auf unseren Social-Media-Kanälen zu finden.

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