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Das Ende zweier Serien und die Fortsetzung

NLB-Handball. Mit Last-Second-Sieg gegen Endingen konnte der TV Solothurn die fünf Spiele dauernde Misere beenden. Gleichzeitig endete in Horgen eine noch viel längere Serie, der Siegeszug des unangefochtenen NLB-Leaders Wädenswil/Horgen. Die Zürcher verloren nach neun Siegen in Folge zum ersten Mal in dieser Saison.


Gaudenz Oetterli


Es wird oft heraufbeschworen im Sport, meist von den Underdogs, das viel zitierte Momentum. Sollte es denn tatsächlich so etwas wie ein Momentum geben, das je nach Verlauf eines Spiels oder einer Saison kippen kann, und das Ganze ist nicht nur eine abgedroschene Phrase von nach Worten ringenden Journalisten ist, dann dürfte es im kommenden Duell zwischen Solothurn und Wädenswil/Horgen auf der Seite des Heimteams sein. Und dies obwohl Solothurn Zweitletzter ist während die Zürcher hoch oben auf dem ersten Rang thronen.

Denn die Ambassadoren haben mit dem sensationellen Sieg in Endingen, der auch durch die Umstände in den letzten Minuten so speziell ist, einen massiven mentalen Booster erhalten. Wädenswil/Horgen geriet derweil vor heimischem Publikum ab der 20. Minute (10:10) gegen Kreuzlingen ordentlich unter die Räder. Bis zu Pause erzielten der Seriensieger der ersten neun Meisterschaftsrunden keinen Treffer mehr und lag mit fünf Toren hinten, bis zum Abpfiff setzte es gar ein Stängeli (23:33) ab. Der Psychoanalytiker muss vor diesem Hintergrund klare Vorteile für Solothurn ausmachen.


Sigmund Freud vs. Homo Faber


Wer nicht an das ominöse Momentum und den ganzen Hokuspokus glaubt, sondern harte Fakten liebt, der muss sich auf andere Anhaltspunkte stützen, zum Beispiel Statistiken. Fakt ist, dass Solothurn trotz des Sieges im Aargau auf dem vorletzten Tabellenrang liegt, und Wädenswil/Horgen mit vier Punkten Vorsprung immer noch unangefochten an der Spitze steht. Die Zürcher kassierten in den 10 bisherigen Spielen 38 Tore weniger als der TVS und stellen die fünftbeste Verteidigung der Liga. Die Aarestädter liegen auch dort auf dem zweitletzten Platz. Bei der Anzahl der geschossenen Tore befindet sich "Wädi" auf Platz 3 (298 Tore). Der TVS ist da sehr konsequent und stet: Zweitletzter mit 259 Treffern. Für den faktenbasierten Rationalisten ist somit klar: dieses Duell geht an die Gäste aus Zürich.

Das Schöne am Sport ist, dass zwar Wahrscheinlichkeiten berechnet und mit Analysen Voraussagen getroffen werden können. Aber den tatsächlichen Ausgang kennt niemand. Diese Spannung macht Sport aus und bewegt uns dazu, uns immer wieder Spiele anzuschauen, denn es ist alles möglich. Und für alle, die weder in der Psychoanalyse noch in der Statistik zuhause sind, bleibt noch die Möglichkeit, sich als bauernschlauer Opportunist zu outen. Spiel schauen, warten wie es ausgeht und dann zu sagen: "ich hab's doch gewusst."



Die Partie TV Solothurn - SG Wädenswil/Horgen findet statt am 4. Dezember um 17:00 Uhr im CIS Solothurn. Es gilt eine Zertifikats- UND Maskenpflicht. Das Spiel kann im Livestream mitverfolgt werden, der Link ist auf unseren Social-Media-Kanälen zu finden.

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