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Der TV Solothurn gewinnt das Spiel des Jahres

NLB-Handball. Was für eine Kulisse, was für ein Spiel! Der Showdown um den Ligaerhalt zwischen Steffisburg und Solothurn in der Lachenhalle in Thun wurde zum grossartigen Handballfest – mit dem glücklichen Ende für die Solothurner.


Gaudenz Oetterli


Jubelnd lagen sich die Spieler des TV Solothurn nach Ertönen der Schlusssirene in den Armen, während auf der anderen Seite die Steffisburger enttäuscht zu Boden sanken. Soeben hatte das Spiel der Saison mit 28:30 ein glückliches Ende für die Gäste gefunden. Während 60 Minuten kämpften beide Seiten in einem absolut hochstehenden Duell auf Augenhöhe und die Spannung war sowohl für die Spieler auf dem Feld, wie auch für die riesige Kulisse der über 450 Fans, bis am Ende schier unerträglich.


Schon vor dem Spiel war klar, dass dieses für beide Teams extrem wichtige Spiel, in dem die Vorentscheidung über den Ligaerhalt beziehungsweise den Abstieg fallen würde, ein Ritt auf der Rasierklinge wird. Denn beide Mannschaften waren so bereit, wie sie es nur sein konnten. Von Nervosität war bei den Spielern zu Beginn der Partie nichts zu merken. Auf beiden Seiten lief der Ball munter durch die Reihen und im Abschluss zeigten sich beide TVS sehr abgebrüht. Und das obwohl der Druck enorm war und die Partie stets eng mit jeweils nur einem Tor Vorsprung für eine Seite.


Solothurn mit leichten Vorteilen


Bis zu Minute 15 konnte sich keine Mannschaft mit mehr als einem Treffer absetzen. Solothurn legte zwar jeweils vor, die Antwort folgte aber immer postwendend. Es benötigte erst mehrere Paraden von Solothurn-Keeper Taro Diethelm, dass die Ambassadoren etwas davonziehen konnten. So lagen sie nach einem gehaltenen Siebenmeter und einer weiteren Glanztat ihres Goalies 12:9 in Front. Für das Steffisburger Trainergespann das Zeichen, mit einer Auszeit den gegnerischen Rhythmus zu brechen.


Das taktische Mittel funktionierte, wie sich zur Pause zeigen sollte. Die Berner Oberländer konnten den Lauf des TV Solothurn eindämmen und den Rückstand bis kurz vor der Pause bei drei Toren halten. Die Solothurner hingegen waren sich in dieser Phase wohl etwas zu sicher und nach zwei nonchalanten Würfen sassen ihnen die Einheimischen zur Pause bereits wieder im Genick (16:17).


Am Ende entschieden Nuancen


Nach dem Seitenwechsel war zum ersten Mal in diesem so wichtigen Spiel Nervosität bei den Spielern auszumachen. Da die Partie weiterhin auf Messers Schneide stand, und beide Fanlager ihre Farben mit Trommeln und Anfeuerungsrufen zum Sieg peitschen wollten, schien dem ein oder anderen Spieler langsam die Hand zu zittern. Die Folge waren mehrere Fehlwürfe und technische Fehler. Da jedoch auch diese, wie die Tore über das ganze Spiel hinweg, sehr ausgeglichen auf beide Seiten verteilt waren, konnte kein Team Profit daraus schlagen. Und wie schon die Saison spitzte sich auch dieses entscheidende Spiel immer mehr auf ein Herzschlagfinale zu.


Es waren wie schon Ende der ersten Hälfte wieder die Solothurner, welche die wenigen gegnerischen Unsicherheiten besser ausnützten. Nach einem technischen Fehler des Heimteams war es nach 54 Minuten Nico Eggimann, der zum ersten Mal überhaupt in der zweiten Halbzeit seine Farben mit zwei Toren in Front schoss. Diesen Vorsprung gab Solothurn bis am Ende nicht mehr her. Es war der überragende Tomas Reznicek, der mit drei Treffern de suite die Anschluss-Bemühungen von Steffisburg jeweils gleich wieder zunichtemachte. Mit insgesamt 10 Toren aus 10 Würfen war er zugleich der Mann des Spiels.


Den Job zu Ende bringen


Der 30:28-Sieg über Steffisburg stösst die Türe zum Ligaerhalt für den TV Solothurn sperrangelweit auf. Doch trotz all der Jubelstürme müssen sich die Mannen von Trainer Martin Prachar bewusst sein, dass die Arbeit noch nicht ganz getan ist, sie müssen immer noch durch die offene Türe gehen. Denn rein rechnerisch ist es möglich, dass der TV Solothurn doch noch absteigt. Sollten die Aarestädter ihr letztes Spiel gegen den Biel verlieren und gleichzeitig die Steffisburger in Stäfa gewinnen, dann würden am Ende doch die Solothurner in die Röhre schauen.


Ein Szenario, das trotz der Ausgangslage, dass Stäfa Dritter ist in der Tabelle und Biel Letzter, gar nicht so abwegig ist. Stäfa hat keine Chance mehr, in die Aufstiegsplayoffs zu kommen, die Partie gegen Steffisburg ist also nicht mehr als ein Kehrausspiel für die Zürcher. Solche Spiele verliert man gerne Mal, auch als Favorit. Auf der anderen Seite wird sich Biel sicherlich noch einmal aufbäumen und mit einem Sieg aus der NLB verabschieden wollen, vor allem weil es dabei gegen den Erzrivalen TV Solothurn geht. Letzterer tut also gut daran, den Kopf für die letzte Trainingswoche und das Abschlussspiel vor heimischem Publikum noch einmal bei der Sache zu haben.



Text: Gaudenz Oetterli / Bild: Cornelia König-Zeltner


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